Apr 07 2008
Requiem für einen Bison
Freitag ist er gestorben, “unser” Max, der größte Bisonbulle, den ich bislang gesehen habe. Der Termin mit dem Jäger war fix, jemand wollte sein gesamtes Fleisch für Salami, und da wurde wirtschaftlich gedacht - so gegen 17 Uhr lag er dann um. Das setzte für Ulli und mich einen Riesenberg an Logistik in Gang, schließlich wollten wir ja die Haut und den Schädel. Da ging’s dann los - wer gerbt Leder und wohnt nicht in Hamburg oder München? Wo kriegen wir einen Wurstkessel her, der groß genug ist, dass Maxens Schädel (von gigantischen Ausmaßen) da reinpasst? Wie kriegen wir das Ganze auf dem (planen- und spriegellosen) Hänger transportiert, ohne dass alles fliegen geht auf der Autobahn? Also - Ulli hängt sich ans Telefon, ich ins Internet. Gerber ist gefunden, Abkochstelle für den Kopf auch. Samstag früh wussten wir dann bescheid, dass der Metzger den Schädel nach BSE-Test freigegeben hat, und dass die Haut (über 6 Quadratmeter) gesalzen bereitliegt. Uff. Kleines Handicap am Rande: um 12 mittags macht der Raiffeisen-Markt zu, und wir hatten noch keinen Behälter für den Hängertransport! 9 Minuten vor Toressschluss kamen wir an, und die Mitarbeiter von Raiffeisen waren total nett und kooperativ. Sie liehen uns eine große Palette mit hohem Holzrand, wir verzurrten die auf dem Hänger, und dann gings los - 6 Stunden Autobahnfahrt. Dann 2 Bier mit den Besitzern von Max, und leider kamen wir zu spät in unsere Stammkneipe, weil wir uns festgequatscht hatten, es gab nur noch Brotzeit, der Koch war schon weg… den ganzen Tag hatten wir uns auf das Abendessen im “Stern” gefreut! Durchgefroren ein kaltes Lachsbrot zu essen war jetzt nicht das, was ich mir gewünscht hatte, aber wie sagte Ullis Opa einst: Man muss für alles im Leben dankbar sein.
Am Sonntag morgen war wieder 7 Uhr Weckerklingeln angesagt, denn Max’ Besitzer mussten auf eine Kommunion und wollten nach Aufladen der Büffelteile erstmal duschen. Also Kaffee rein bis zur Aufwachphase, dann durchstarten nach einer Nacht im Regen im Bus bei eiskaltem Wetter mit Resten von Schnee überall… die Haut mit 3 Leuten gerade so eben auf den Hänger gepackt, puh, kann so ein Pelz schwer sein! Der Schädel hat nur so um die 40 kg, das war dann relativ leicht. Dann zurück auf die Straße, bei herrlichem Frühlingswetter und Sonne, zwitschernden Vögeln und grünen Wiesen wieder Richtung Heimat. Haben noch zwei Burgen besichtigt auf dem Weg, wobei einer immer beim Hänger bleiben musste und wir uns mit dem Gucken abgewechselt haben, der Schädel passte genau in die Holzbox, lag aber zum Abgreifen drin… die Hunde fanden die Aktion natürlich super, und mir hat der Effekt, mit dieser Hängerbesatzung in der Gaildorfer Altstadt zu parken und beim Bäcker Frühstück zu holen, auch gefallen, es gab doch etliche Neugierige, die dann mal die Straßenseite wechselten, um zu schauen, was denn in der Holzkiste drin ist… die Gesichter hätt” ich auf Video haben wollen!
Dann lief alles nach Plan - der Gerber kriegte das Fell, und Abladen zu zweit ging auch. Der Schädel kam ins Kühlhaus und hängt nun dort zwischen halben Schweinen, gibt dem Ganzen das Flair der weiten Prärie… Abendessen gab’s bei Burger King, also kulinarisch war das jetzt nicht der tolle Trip - aber wir haben nun alles hier, was wir haben wollten von dem Tier, auch wenn er, wäre es nach uns gegangen, noch ein paar Jahre mit seinen Kühen und Kälbern über die Wiesen im wilden Schwabistan getobt wäre. Es fing ja vor über 5 Jahren an, dass wir Max beeindruckend fanden (beim Vorbeifahren auf einem Oster-Trip entdeckt), mit seinen Besitzern ins Gespräch kamen und dann die folgenden 5 Jahre an Ostern immer hinfuhren, um ihn zu besuchen, die schöne Landschaft und das gute Essen dort zu genießen und den Besitzer zu überzeugen, dass Max doch noch ein paar Jährchen leben dürfen sollte… aber leider tat er, was ein Zuchtbulle tun muss: er produzierte Nachwuchs… und der wuchs dem Besitzer zahlen- und futtermäßig übern Kopf. Irgendwann gab’s dann Inzucht, weil er seine Töchter deckte, und die Kinder davon wurden immer kleiner. Da Bisonzucht wohl ein teures und zeitaufwendiges Hobby ist, war irgendwann klar: Max muss weg. Und so ist es nun leider geschehen… Sein Foto hängt neben meinem Schreibtisch, und ich muss mich noch an den Gedanken gewöhnen, dass wir kommende Ostern nun nicht mehr ihn besuchen fahren, sondern “nur noch” seine Besitzer - was ja auch schön ist, ich freue mich, den Kontakt aufrecht zu erhalten, denn die Leut’ sind wirklich sehr nett und haben ja noch Bisons, wenn auch keinen so beeindruckenden wie unseren Max. Deswegen nannten wir ihn ja so - Maximus, der Große.
So weit zu einem “erholsamen” Wochenende! Heute früh hab ich meinen Zahnarzttermin verpennt, weil mein Körper sagte “schlafen! Jetzt!”, hab ich den Wecker ausgemacht, ohne ihn gehört zu haben… und es schneit. Die Straßen sind dicht, die Autos haben Schneemützen auf, der Winter will nicht weichen. Es kommt mir vor wie im Buch “Winterschmied” von Terry Pratchett - nur dass die Schneeflocken keine Mini-Abbilder von mir sind (und das ist auch besser so)… Aber irgendwie sollte doch allmählich mal was passieren da draußen! Die Hunde liegen vor dem Ofen (ja, ich habe Schönwetter-Huskies!), die Ratten erklären mir, ich wäre wohl völlig durch, sie um die Uhrzeit zu wecken, und verschwinden leise keckernd wieder in ihrem Schlafhäuschen. Die Katzen schreien, weil dramatische Dinge passieren - DER NAPF IST LEER! Das Grauen hat einen Namen - FUTTER ALLE! Die spinnen, die Miezen.
Fein, jetzt zickt auch noch meine Internet-Verbindung. Ich wünsche mir langweilige Zeiten, wo mal NIX passiert und wo ich mich einfach mit einem schönen Buch wieder ins Bett legen kann, mit meinen Hunden und Ratten einen netten Tag machen und tun, wonach mir ist….
Oh, schön, mein Telefon ist auch tot, wollte grad die Störungsstelle anrufen, weil mein Computer mal wieder nicht ins Internet kommt, aber hier geht gar nix mehr! Schnee in der Leitung? Eis am Verteiler? Ich wollte auch meine Kollegin anrufen und den Gerber und meine Freundin, wann denn nun ihre Ratten zu mir umziehen…
Hoffentlich springt mein Auto an, es ist ein 20 Jahre alter Italiener (Fiat), der hat’s noch nie mit Nässe und Kälte gehabt. Ich mach jetzt Frühstück! Und bin mal gespannt, wann denn die Verbindung zur Außenwelt wieder steht. Öfter mal was Neues…
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